Die Fragen zum Jahresausblick 2023

Welche Herausforderungen stehen für die Branche 2023 im Vordergrund?

Beat Vonlanthen: Für unsere Branche, die zu einem grossen Teil grenzüberschreitend tätig ist, stehen weiterhin der Abbau von Handelshemmnissen und der Marktzugang im Vordergrund. Stichworte dazu sind: Kein «Swiss Finish» bei Deklarationsvorschriften, Aktualisierung bestehender und Abschluss neuer Freihandelsabkommen oder der Zugang zu Rohstoffen zu wettbewerbsfähigen Preisen. Zudem: Die Sicherstellung der unterbrechungsfreien Energieversorgung bleibt auch mittel- und langfristig wichtig.

Urs Furrer: In den Exportmärkten stellen auch nationale Alleingänge, z.B. bei der Umweltkennzeichnung, eine Herausforderung dar. Hier arbeiten wir eng mit unserem europäischen Dachverband CAOBISCO zusammen, um zu verhindern, dass wir in verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Verpackungen arbeiten müssen. Bei den Themen Nachhaltigkeit und Ernährung nehmen die Erwartungen an die Lebensmittelhersteller zu. Hier zeigen wir die Aktivitäten der Branche auf und wehren gleichzeitig übertriebene Forderungen ab.


Wie positioniert sich die Branche mit Blick auf die Nachhaltigkeit

Beat Vonlanthen: Die Nachhaltigkeit ist fester Bestandteil von Unternehmensstrategien - entsprechend umfassend ist das Nachhaltigkeitsengagement unserer Mitgliedunternehmen. Als Verbände unterstützen wir nichtkompetitive Aktivitäten. Ein Projekt, das wir seit vielen Jahren unterstützen, ist dasjenige der ILO Türkei zur Prävention von Kinderarbeit in der Haselnussernte. Über dessen Fortschritte habe ich mich kürzlich persönlich vor Ort informieren lassen. Die sichtbaren, konkreten Resultate haben uns darin bestärkt, dieses wichtige Projekt weiterhin zu unterstützen.

Urs Furrer: Eine Aufgabe unserer Verbände ist einerseits der Einsatz für Rahmenbedingungen, die unternehmerisches Engagement fördern. Das gilt auch für Nachhaltigkeitsthemen. Andererseits müssen sich die Verbände ungerechtfertigter Kritik und unrealistischen Forderungen gegenüber der Branche entgegenstellen. Bei der Umsetzung von Regulierungen stellen unsere Verbände Umsetzungshilfen zur Verfügung, zum Beispiel für die Umsetzung der menschen- und umweltrechtlichen Sorgfaltspflichten. Diese entwickeln sich laufend weiter, wobei auch komplexe grenzüberschreitende Aspekte zu beachten sind.


Wie geht die Branche mit der Forderung nach gesunder Ernährung um?

Urs Furrer: Die Sensibilität für nachhaltige und gesunde Ernährung ist an sich ein gutes Zeichen. Der Markt reagiert auf diese Entwicklung u.a. mit Produktinnovationen. Letztlich gehört zu einem ausgewogenen Lebensstil aber auch der gelegentliche, bewusste Genuss. Verbote, Verkaufsbeschränkungen oder Steuern, wie sie kürzlich von einem von NGOs und Akademikern getragenen «Bürger:innenrat» gefordert wurden, lehnen wir deshalb entschieden ab.

Beat Vonlanthen: Ich kann hierzu eine sehr persönliche Antwort geben: Als Person, die seit rund 40 Jahren Diabetiker ist, habe ich immer Schokolade bei mir, um rechtzeitig gegen Unterzuckerung reagieren zu können. Ich bin also sehr froh, dass es dieses Genussprodukt mit genügend Zucker gibt. Aber selbst bei den Genussprodukten wie Schokolade gibt es solche ohne Zuckerzusatz oder mit Zucker-Alternativen. Das zeigt, dass die Branche auf die Nachfrage nach zuckerlosen Produkten reagiert. Es erstaunt mich sehr, dass nun Süssstoffe, welche eine positive Rolle spielen, jüngst in einem Vorstoss einer parlamentarischen Kommission kritisiert wurden. Hier sehe ich für unsere Verbände die Notwendigkeit von Aufklärungsarbeit.