SÜSSWAREN UND ERNÄHRUNG

Dauerbackwaren

Schon seit jeher spielten Dauerbackwaren gleichzeitig eine Rolle als Süssware, und somit als Genussmittel, als auch als energielieferndes Nahrungsmittel, dass wegen seiner langen Haltbarkeit z.B. auf lange Schiffsreisen mitgenommen werden konnte. Insofern stellten Dauerbackwaren schon immer einen wichtigen Teil der menschlichen Ernährung dar. Aufgrund der heutigen Erkenntnisse über eine gesunde Ernährung erweisen sich Dauerbackwaren wegen der enormen Produktvielfalt und Zusammensetzung als interessante Nahrungsmittel, die durchaus einen Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung leisten können.

Da Getreide die Grundzutat praktisch aller Backwaren ist, machen Kohlenhydrate den Hauptteil der Dauerbackwaren aus und spielen eine wichtige Rolle für die Energiezufuhr. Viele Dauerbackwaren weisen einen hohen Anteil an komplexen Kohlenhydraten aus, die eine lang anhaltende Energiefreisetzung bewirken. Ausserdem fördert der z.T. beträchtliche Anteil an Nahrungsfasern die Verdauung. Vollkornbiscuits stellen überdies eine interessante Mineralstoffquelle dar.

Fette spielen eine wichtige Rolle für den Geschmack und die Textur einer Backware und können bis zu einem Drittel eines Produkts ausmachen. Werden die gängigen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung befolgt, stellt der Fettgehalt von Biscuits üblicherweise kein Problem dar.

Alles in allem stellen Backwaren eine stets willkommene und bekömmliche Zwischenmahlzeit für Gross und Klein dar.

Zuckerwaren

In der Schweiz werden pro Kopf und Jahr rund 3,5 kg Zuckerwaren konsumiert. Dies entspricht rund zehn Gramm pro Tag (oder etwa vier Bonbons, wenn man es in Bonbonseinheiten ausdrücken würde). Davon sind etwa ein Viertel zuckerfreie Zuckerwaren. Zuckerwaren stehen nicht selten in der Kritik, zu einer unausgewogenen Ernährung beizutragen, da sie vermeintlich im Übermass konsumiert werden. Tatsächlich machen Zuckerwaren aber nur einen geringen Teil unserer Ernährung aus. Nach heutigem Stand der Wissenschaft führt der derzeit übliche Verzehr von Zuckerwaren und Zucker weder zu einem Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen noch zu Übergewicht oder anderen Lifestyle-bedingten Krankheiten. Wichtig für eine ausgewogene Ernährung ist vor allem die Gesamtheit dessen, was wir essen und nicht so sehr das einzelne Lebensmittel.

Heutzutage wird eine grosse Auswahl an wohlschmeckenden Lebensmitteln angeboten. Wir bestimmen selbst, was und wieviel wir essen wollen. Dabei laufen wir Gefahr, zu viel zu essen oder uns unausgewogen zu ernähren. Ernährungsexperten empfehlen, unsere Nahrung möglichst abwechslungsreich zusammenzustellen. Nur dadurch bekommt unser Körper alle Nährstoffe, die er zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit und Gesundheit benötigt. Eine ausgewogene Ernährung lässt sich so gestalten, dass Genuss und Freude am Essen nicht eingeschränkt werden. Dabei braucht man auf Lebensmittel wie Süsswaren nicht zu verzichten.

Functional Food

Als „Functional Food“ werden Lebensmittel bezeichnet, die einen zusätzlichen Nutzen aufweisen, der über die reine Sättigung, die Nährstoffzufuhr und die Befriedigung von Genuss und Geschmack hinausgeht. Dem Konzept von Functional Food liegt zugrunde, dass diese bestimmte Inhaltsstoffe enthalten, die positiv auf verschiedene Körperfunktionen wirken und dadurch zum Erhalt der Gesundheit, der Prävention von Krankheiten oder allgemein zur Steigerung des Wohlbefindes beitragen.

 

Auch vor den Zuckerwaren hat dieser Trend nicht haltgemacht. So werden heute viele Zuckerwaren vitaminisiert oder mit Mineralstoffen oder Nahrungsfasern angereichert. Im Sinne der Definition gab es in der Schweiz aber schon Functional Food, lange bevor der Begriff überhaupt existierte. Was anderes sind die Hustenbonbons, die in der Schweiz eine lange Tradition haben, als Functional Foods?

Zuckerfreie und zahnfreundliche Zuckerwaren

Etwas über 50 % der in der Schweiz hergestellten Zuckerwaren sind zuckerfrei. Werden die importierten Zuckerwaren berücksichtigt, ist etwa ein Fünftel der Zuckerwaren, die in der Schweiz konsumiert werden, zuckerfrei. Die Nachfrage nach zuckerfreien Produkten ist einerseits Zeichen eines bewussten Ernährungsverhaltens, sagt allerdings gleichzeitig auch etwas über die Psyche von uns Menschen aus. Denn bezogen auf die Gesamtkalorienaufnahme eines Menschen machen Zuckerwaren nur einen sehr kleinen Teil aus, und durch den Ersatz von zuckerhaltigen durch zuckerfreie Zuckerwaren, geschweige denn durch den völligen Verzicht von Zuckerwaren bringt man leider keine überflüssigen Pfunde weg. Das Hauptargument für den Konsum von zuckerfreien Zuckerwaren ist deshalb heute vor allem die Kariesprophylaxe. Zuckerfrei ist allerdings nicht gleich zahnfreundlich! Zahnfreundlich bedeutet, dass ein Produkt weder kariogen noch erosiv ist. Der Beweis, dass beide Anforderungen erfüllt sind, muss in einem wissenschaftlichen Test erbracht werden. Ist das Resultat dieses Tests positiv, darf der Hersteller auf der Produktverpackung und in Werbemitteln das Produkt als „zahnfreundlich“ anpreisen und allenfalls mit dem bekannten Zahnmännchen werben.

Süsswaren und Karies

In der Vergangenheit wurde vor allem der Zuckerkonsum zu den Risikofaktoren für die Zahnkaries gezählt und das Fluorid als kariesschützender Faktor identifiziert. Folglich konzentrierten sich die Gesundheitsprogramme auf die Verminderung des Zucker- einschliesslich Süsswarenkonsums und die Verfügbarkeit von Fluoriden, um hiermit einen Beitrag zur Reduktion der Zahnkaries zu leisten.

Doch mit der Zeit gab es einige Widersprüche, da es sowohl Länder gab, die trotz höheren Zuckerverzehrs niedrigere Karieswerte aufwiesen wie auch umgekehrt. Ausserdem konnte nur die Hälfte der Kariesfälle durch die Verfügbarkeit von Zucker erklärt werden, so dass offenbar noch andere Faktoren eine Rolle spielten. Es zeigte sich schliesslich, dass die Häufigkeit von Karies nur noch in denjenigen Ländern mit der Höhe des Zuckerkonsums in direkter Beziehung steht, wo die Mundhygiene schlecht und kein Fluorid vorhanden ist. Hinzu kommt, dass grundsätzlich jede Form von Kohlenhydraten, die von Mikroorganismen der Zahnplaque unter Freisetzung von Säuren verwertet werden kann, potentiell kariogen ist. Dies gilt nicht nur für Mono- und Disaccharide wie Glukose, Fruktose, Saccharose (Zucker), Laktose und Invertzucker (in Honig enthalten), sondern auch für Stärke, insbesondere, wenn diese in mechanisch und thermisch behandelter Form vorliegt. Demnach weisen nicht nur zuckerhaltige Lebensmittel, sondern auch Lebensmittel wie Kartoffelchips, Kekse, Plätzchen, Frühstückscerealien, Brot und Reis kariogene Eigenschaften auf.

Ob Karies entstehen kann, hängt also vor allem von der Mundhygiene, die so optimal wie möglich sein sollte, und weniger von der Ernährung ab. Bei ausreichender Kontrolle der Zahnbeläge durch optimale Mundhygiene mit Fluoriden sind auch zwei bis drei kohlenhydrathaltige Zwischenmahlzeiten pro Tag unbedenklich, sofern es sich dabei z.B. nicht um ein fortgesetztes Nippen zuckerhaltiger Getränke oder Lutschen von zuckerhaltigen Bonbons über den ganzen Tag hinweg handelt.


zurück nach oben

projekt + implementation: fastforwad.ch | design: id-k.com